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Zwei Tage wurde gefeiert – 20 Jahre Literaturhaus „Uwe Johnson“ und die Eröffnung des Klützer Literatursommers

03.07.2026

Zahlreiche Gäste kamen zum 20-jährigen Jubiläum des Literaturhauses und zur Eröffnung des 23. Klützer Literatursommers – langjährige Wegbegleiter, Ehrengäste, neue Freundinnen und Freunde, Künstler, Autorinnen und Autoren.

Los ging es am 5. Juni mit dem traditionellen Benefiz-Gartenfest und einem Festakt, der wetterbedingt zunächst im Dachgeschoß stattfinden musste. In seiner Begrüßung beschrieb Bürgermeister Martin Kühl die Bedeutung des Literaturhauses als kulturelle Einrichtung für Klütz. „Und das wird auch in Zukunft so bleiben“, versprach das Stadtoberhaupt. Barbara Heine, seit 1. Juni die neue Leiterin des Literaturhauses, stellte sich an diesem Abend vor. „Ich fühle mich nach diesen wenigen Tagen hier bereits sehr wohl und wurde von allen Seiten herzlich aufgenommen“, so die Kulturmanagerin. In einem kurzen Rückblick ließ Maria Schultz, Vorsitzende des Fördervereins, einige teils amüsante Begebenheiten der letzten Jahre Revue passieren. Rolf Kruse, langjähriges Mitglied des Fördervereins, würdigte in seiner Festrede die geladenen Ehrengäste und Personen, die das Haus mitgestaltet und zu dem gemacht hatten, was es heute ist. Er blickte auf prägende Ereignisse der letzten 20 Jahre zurück und zählte viele prominente Besucherinnen und Besucher, Schauspieler, Literaten und Politiker auf, die hier bereits zu Gast waren. Der neuen Leiterin überreichte er als Willkommensgeschenk eine antiquarische Ausgabe der „Jahrestage“ mit der Originalunterschrift von Uwe Johnson. Barbara Stierand, die als Projektkoordinatorin das Programm des diesjährigen Klützer Literatursommers konzipiert hatte, übernahm die inhaltliche Einführung und gab eine Vorschau auf die kommenden Veranstaltungen.

„Zwei Ansichten“ ist das Motto des 23. Klützer Literatursommers, angelehnt an den gleichnamigen Roman von Uwe Johnson aus dem Jahr 1965. Darin werden die Ereignisse um den Bau der Berliner Mauer sowohl aus der westdeutschen als auch aus ostdeutscher Perspektive beschrieben.

Goethe, Schiller, Ringelnatz, Jandl, Morgenstern, Gernhardt – mit Gedichten, Zitaten und kurzen Texten zahlreicher Schriftsteller begab sich der Schauspieler und Rezitator Hagen Möckel im Anschluss an die Begrü8ungsreden auf einen heiteren lyrischen Streifzug durch mehrere Jahrhunderte – querbeet, augenzwinkernd und mit viel Freude am Text, ganz nach dem Motto „Lyrik mit Nebenwirkung – Lachen nicht ausgeschlossen“.

Die Sonne war inzwischen wieder herausgekommen und der Sänger und Gitarrist Tobi Beck sorgte im Lesegarten für Stimmung mit „Goldenen Hits aus 30 Jahren Musikgeschichte“. Bekannte Titel u. a. von Ostrock-Bands wie die Puhdys, Karat oder Ciy wurden begeistert mitgesungen. Nach der Eröffnung des reichhaltigen und wie immer köstlichen Buffets konnten die Gäste bei Musik, anregenden Gesprächen und guter Laune bis in den späten Abend hinein feiern. Für reichlich Getränkenachschub sorgten die Mitglieder des Fördervereins.

Tag der offenen Tür

Am Samstag, den 6. Juni, öffnete das Literaturhaus von 10.00 bis 17.00 Uhr seine Tore. Viele Neugierige nahmen die Gelegenheit wahr, durch den denkmalgeschützten ehemaligen Getreidespeicher zu streifen, der vor 20 Jahren zu einem Dichterhaus wurde und sich seitdem zu einem lebendigen Ort für Kultur, Literatur und Begegnungen entwickelt hat.

„Lesen, laufen, lauschen“ konnten die Gäste ab 11.00 Uhr bei einem Literarischen Streifzug durch Klütz mit dem Schauspieler Rainer Rudloff. Aus den Mauern des Literaturhauses ging es zunächst zum Klützer Bach, dann zur Müllereiche, zum Wasserwerk und in die Marienkirche. Rudloff las an den diesen teils verwunschenen Orten spannende Auszüge aus verschiedenen Büchern von Otfried Preußler bis Dörte Hansen. Mit dynamischen schauspielerischen Einlagen ließ er die Literatur vor der Natur- und Gebäudekulisse zum Theater werden.

Jens Reinländer hatte für 14.00 Uhr im Dachgeschoß Technik und Leinwand aufgebaut. Eine Lesung aus seinem Buch „Rabatz im langen Lulatsch“ für Kinder von 7 bis 10 Jahren war vorgesehen. Aufgrund einer Parallelveranstaltung für Kinder in einem Nachbarort blieb das Dachgeschoß jedoch leider kinderlos. Einige Erwachsene waren dennoch gekommen, und Jens Reinländer reagierte kurzfristig mit einer humoristischen Programmänderung für „ältere Kinder“.

Über viele Zuhörer hingegen konnten sich die beiden Jazz-Musiker Caspar Rutsch (Saxophon) und Liam Möller (Jazz-Gitarre) freuen. Die beiden Konzert erfahrenen Musikstudenten verzauberten das Publikum nachmittags im sonnenbeschienen Lesegarten mit stimmungsvollen virtuos vorgetragenen Eigenkompositionen. Das Konzert war ein Geschenk von Torsten Rutsch, dem Vater von Caspar, zum 20-jährigen Jubiläum des Literaturhauses. Als Innenarchitekt hatte er das Haus vor 20 Jahren mitgestaltet und war in dieser Zeit auch Vater geworden.

„Lehm an meinen Schuhen“ – ihren Roman stellte Monika von Bothmer am Abend vor. Die erste Lesung dieses Literatursommes war eine durch und durch westdeutsche Geschichte, entsprechend des Mottos „Zwei Ansichten“ bezogen auf das Thema Ost und West. Ein historischer und politischer Roman um eine jungen Frau in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, die versucht, der Enge eines bäuerlich geprägten Dorfes zu entfliehen und in der Gemengelage der damaligen Lebensentwürfe und Ereignisse ihren eigenen Weg zu finden. Eingangs erzählte Monika von Bothmer, in welcher Beziehung ihre Familie zu den Grafen von Bothmer steht. Die Lesung endete mit einer äußerst lebhaften Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen, Diskussionsbeiträgen und der Schilderung eigener Erlebnisse.

Das Jubiläumswochenende und die Eröffnung des Eröffnung des 23. Klützer Literatursommers waren eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt Klütz, des Literaturhauses und des Fördervereins. Alle Beteiligten waren sich einig, dass es ein überaus gelungenes Wochenende war.

Text & Fotos: Barbara Stierand
 

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    Literaturhaus „Uwe Johnson“
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    23948 Klütz

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