25. April 2014 19:01 Alter: 4  Jahr/e
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Die Grafen Bothmer – Aufgeklärter Adel in Mecklenburg

 Von Barbara Stierand

Diesmal ging es nicht um das Schloss Bothmer als Bauwerk und Architekturdenkmal, sondern um die Menschen von denen und für die das Schloss in Klütz gebaut wurde.


Autor und Journalist Peter Nöldechen

Ansturm auf den Büchertisch

Die Wismarer Verlegerin Emmely Baumann mit der Neuerscheinung

Autor und Journalist Peter Nöldechen

Peter Ellenberg und Angelika Palm

Ein gutes Team, Verlegerin und Autor

Das Literaturhaus „Uwe Johnson“ platzte aus allen Nähten, und die Veranstalter hatten ihre Mühe, alle Zuhörer, die zur Buchvorstellung des Journalisten Peter Nöldechen noch überraschend und auf die letzte Minute gekommen waren, unterzubringen.

Der ehemalige Korrespondent der Westfälischen Rundschau und anderer westdeutscher Zeitungen arbeitete von 1973 bis 1993 als Journalist in Ostberlin. Schon 1971 begegnete ihm der Name Bothmer im Zusammenhang mit Uwe Johnsons Roman „Jahrestage“.

„Doch erst 15 Jahre später ergab sich die Gelegenheit für mich, das Schloss kennenzulernen. Damals war es noch das Feierabendheim Clara Zetkin. Danach begann ich über die Familie von Bothmer zu recherchieren“, berichtete der 84-jährige Autor im Gespräch mit seiner Verlegerin Emmely Baumann. „Anlass war ein Besuch in Schönberg 1986. Ich war als akkreditierter, westdeutscher Journalist dorthin gefahren, weil eine Gruppe der Grünen aus Lübeck erwartet wurde. Sie wollten wissen, ob die direkt an der Grenze zur BRD angelegte Mülldeponie das Grundwasser im Tal der Wakenitz beschädigte. Vor diesem Termin hatte ich noch Zeit und fuhr nach Klütz.“

Peter Nöldchen beschreibt in seinem Buch „Die Grafen Bothmer – Aufgeklärter Adel in Mecklenburg“ detailliert und fundiert Geschehnisse aus 10 Generationen der Adelsfamilie. Die von Emmely Baumann vorgetragenen Passagen machten deutlich, dass die aus Niedersachsen zugezogene Grafenfamilie bei der eingesessenen mecklenburgischen Ritterschaft unbeliebt und nicht anerkannt war, weil sie sich für die Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen am Staat einsetzte. „Wie Peter Nöldechen zeigt, fehlte der Familie oft der Sinn für die scharfe Trennung zwischen Adeligen und Bürgerlichen, die in Mecklenburg gepflegt wurde“, so Prof. Dr. Dieter Schröder in seinem Vorwort.

Besondere Erwähnung in diesem Zusammenhang fand Otto Graf von Bothmer, der von 1907 bis 1912 Mitglied des Deutschen Reichstags war. Er kandidierte für die Freisinnige Vereinigung, eine liberale Partei im Deutschen Kaiserreich. Er setzte sich für die Beseitigung der alten ständischen Verfassung ein und wollte sie durch eine neue konstitutionelle Verfassung ersetzen. Bürgern, Handwerkern und anderen gesellschaftlichen Gruppen sollten die gleichen Rechte wie dem Klerus und dem Adel zuerkannt werden. Der Klützer Graf wurde dafür von den Konservativen heftig attackiert, da er zudem mit Hilfe der Sozialdemokraten gewählt worden war.

Die Lesung mündete in eine offene Gesprächsrunde mit vielen interessanten Wortbeiträgen aus dem Publikum, u. a. von Eckart Redersborg, Heimatforscher und Ortschronist, sowie Hubertus Graf von Bothmer, Vorsitzender des Familienverbandes. 

 

 


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